Glossar

A

A/V-Verhältnis

Das Oberfläche-zu-Volumen-Verhältnis ist der Quotient aus der Oberfläche A und dem Volumen V eines geometrischen Körpers. Das A/V-Verhältnis ist in der Bauphysik und beim Wärmeschutznachweis eine wichtige Kenngröße für die Kompaktheit eines Gebäudes. Es wird berechnet als Quotient aus der wärmeübertragenden Hüllfläche, d. h. Flächen, die Wärme an die Umwelt abgeben, wie Wände, Fenster, Dach, und dem beheizten Gebäudevolumen. Typische Werte für Einfamilienhäuser sind 0,8–1,0 m²/m³, bei großen Gebäude und sehr kompakter Bauweise sind Werte unter 0,2 möglich. (Das A/V-Verhältnis wird mit zunehmender Größe besser: Ein Würfel mit 1 m Kantenlänge hat 1 m³ Rauminhalt und 6 m² Oberfläche, mithin ein A/V-Verhältnis von 6 m²/m³; bei 10 m Kantenlänge umschließen 600 m² Hüllfläche 1.000 m³ Raum, der A/V-Wert beträgt also 0,6.)

Ausrichtung

Begriff aus der Solararchitektur, der sich auf die Lage eines Gebäudes in Bezug auf den Sonnenverlauf, aber auch auf die Anordnung der Zimmer innerhalb des Hauses bezieht. Grundregel ist natürlich, Gebäude nach Süden zu orientieren – also „kollektorhaft“ zur Sonne hin, nach Norden hingegen kompakt und isolierend. Wegen der sommerlichen Überhitzung kommt man allerdings von der genauen Südorientierung immer mehr ab, hin zu einer leichten Abweichung nach Südwest oder Südost. Im Inneren orientiert man sich nach dem Wärmebedarf – Wohn- und Baderäume brauchen viel (Süden), Küchen und Schlafräume wenig (Osten, Westen), Lagerräume gar keine Wärme (Norden).

B

Bauphysik

Bildet die physikalischen Grundlagen der Bautechnik. Insbesondere befasst sich die Bauphysik mit dem Verhalten von Baustoffen und -konstruktionen in Bezug auf die Durchlässigkeit von Wärme, Luft, Feuchtigkeit und Schall.

Bauphysik

Bildet die physikalischen Grundlagen der Bautechnik. Insbesondere befasst sich die Bauphysik mit dem Verhalten von Baustoffen und -konstruktionen in Bezug auf die Durchlässigkeit von Wärme, Luft, Feuchtigkeit und Schall.

Blower-Door-Test

Ein Winddichtigkeitstest bei Wohngebäuden. Bei geschlossenen Fenstern und Außentüren wird mit einem Ventilator bei konstantem Unterdruck (50 Pascal) Raumluft aus dem Haus geblasen. Die entweichende Raumluftmenge wird gemessen – sie entspricht der Außenluftmenge, die über Lecks in der Gebäudehülle ins Innere des Hauses nachströmt. Ermittelt wird die sogenannte Luftwechselzahl n50. Entsprechende Bauvorschriften besagen: Die Luftwechselzahl bei Gebäuden ohne Lüftungsanlagen darf den Kennwert 3 und bei Gebäuden mit Lüftungsanlagen den Kennwert 1,5 nicht überschreiten, andernfalls gilt das Gebäude als undicht (zuviel Konvektionswärmeverlust). Möglich sind durchaus Kennzahlen um 0,3. Entscheidend ist die rechtzeitige Anwendung des Messverfahrens – nicht um die Ursache für einen Bauschaden zu eruieren, sondern um einen solchen erst gar nicht entstehen zu lassen.

D

Dachbegrünung

Eine einfache Form der Dachgestaltung durch Pflanzen; zumeist wird darunter lediglich ein Rasen auf dem (Flach)-Dach verstanden, wie er etwa in Oberösterreich seit vielen Jahren für Neubauten vorgeschrieben ist. Staubbindung, Klimaregulierung, zusätzlicher Dämmschutz sind gegeben, ein Erholungsraum ist die Dachbegrünung aber nicht.

Dämmstoffe

Baubiologische Dämmstoffe – Zellulose, Stroh, Flachs, Hanf, Kokos, Wolle – sind zum Hoffnungsträger für die gesamte Umweltbewegung geworden: Sie haben einen Anteil von 10 % am Dämmstoffmarkt erobert und liegen damit Lichtjahre vor sämtlichen anderen Bio-Produkten (selbst Milch kommt z.B. über 10 % nicht hinaus). Der Grund dafür ist einfach: Gesünder (Stichwort Feuchteausgleich, Raumklima) waren die Produkte schon immer, mittlerweile sind sie auch in puncto Anwenderfreundlichkeit und Preis vollkommen konkurrenzfähig geworden.

Dampfbremse

Eine Folie oder Pappe (Baupapier), die das Diffundieren von Wasserdampf in die Wärmedämmung eines Gebäudes einschränkt. Dampfbremsen werden an der Innenseite der Wände montiert. OSB-Platten funktionieren zugleich als Winddichtigkeitsebene.

Dampfsperre

Eine wasserdampfundurchlässige Schicht, die an der Innenseite einer raumseitigen Wärmedämmung angebracht wird, um eine Durchfeuchtung der Dämmschicht durch Diffusion mit Wasserdampf zu verhindern. Im Strohballenbau nur zur Fundamentabdichtung verwendet (z.B. Teerpappe).

Diffusion

Gerade in bauökologischen Kreisen wird gerne von "atmenden Wänden" gesprochen – ein begrifflicher Unsinn. Wände atmen nicht und sollten schon gar nicht, wie es der Ausdruck suggeriert, luftdurchlässig sein (siehe Winddichtigkeit). Ein hingegen sehr erwünschter Effekt von Baumaterialien ist die Feuchteausgleichsfähigkeit oder Diffusion. Diffusionsoffen meint dabei, dass ein Baustoff große Mengen an Feuchtigkeit aus der Raumluft aufnehmen und bei entsprechender Lufttrockenheit wieder abgeben kann – Lehm ist z.B. ein dafür besonders bekanntes Material, überhaupt alle baubiologisch empfehlenswerten Dämm- und Baumaterialien. Ein solches Verhalten fördert in hohem Maße ein angenehmes Raumklima.
Diffusion existiert allerdings auch durch die Bauteile hindurch, und zwar vom diffusionsdichteren zum diffusionsoffeneren (dementsprechend müssen Wände von innen nach außen aufgebaut sein).

E

Energiekennzahl

Gibt den Energiebedarf eines Gebäudes pro Quadratmeter und Jahr an (kWh/m²a). Ist sie erst einmal berechnet, können sehr einfach die Energiekosten ermittelt werden. Aber Achtung! Als Grundlage für die Energiekennzahl werden häufig standardisierte Klimadaten herangezogen – genauer fällt natürlich die Berechnung für einen konkreten Standort aus. Zudem ist zu klären, ob der Heizenergiebedarf oder der Endenergiebedarf eingesetzt wurden. Lediglich in der Frage der Fläche besteht zumeist Einigkeit – die Bruttogeschoßfläche (Wohnnutzfläche inkl. aller Wände samt Verputz) ist maßgeblich.
Der klima:aktiv Gebäudestandard (Stand: 2009) legt für den verbindlich zu erstellenden

Energiekennzahl

Energieausweis folgende Kategoriengrenzen fest:

Bei Null- und Plusenergiehäusern wird die EKZ übrigens zur rechnerischen Größe: Natürlich haben auch solche Gebäude einen Energiebedarf, der aber durch eigene Energiegewinne genau ausgeglichen (Nullenergiehaus) oder sogar übertroffen (Plusenergiehaus) wird.
10 kWh/m²a entsprechen 1 Liter Heizöl, 1 m³ Erdgas oder 2 kg Holzpellets.


G

G-Wert

Achtung, Wort-Ungetüm: Solarer Gesamtenergiedurchlassgrad. Immerhin, es lässt sich etwas darunter vorstellen – es geht um die Berechnung der solaren Energiegewinne mittels lichtdurchlässiger Bauteile. Der g-Wert gibt den Anteil an der Gesamtleistung (die auftreffende Sonnenenergie) an, der nach innen gelangt und ist die Summe der Leistung aus direkt durchdringender Strahlung sowie sekundärer Wärmeabgabe der durch die Solarstrahlung erwärmten Fläche nach innen.

Graue Energie

Jene Energiemengen, die für Herstellung, Transport und Entsorgung von Baumaterialien aufgewendet werden müssen. Typischerweise ist die graue Energie im Falle synthetischer Baustoffe extrem hoch, während baubiologische Materialien in dieser Disziplin hervorragend punkten können. Die Berechnung der grauen Energie dient auch dazu, eine tatsächliche energetische Gewinn-/Verlustrechnung von Baumaterialien über den gesamten Lebenszyklus erstellen zu können; d.h., Umweltkosten fließen in die Betrachtung mit ein.

H

Holz

Als Baustoff erfreut sich Holz seit einigen Jahren wieder wachsender Beliebtheit. Holz strahlt Wärme und Leben aus, Holz bewahrt sich auch viele technische Eigenschaften jener alltäglichen Wunder, vor denen jeder Statiker demütig das Haupt neigt: der Bäume.
So ganz nebenbei ist Holz auch noch günstig und umweltfreundlich.

I

Installationsebene

Um Wasserleitungen, Abflüsse, Elektroleitungen und -Installationen (Steckdosen) u.a. zu installieren, ohne die innere Dampfbremse oder gar Winddichtigkeitsebene zu durchstoßen, muss eine Installationsebene eingeplant werden. Im Strohballenbau bewährt hat sich die Montage von magnesitgebundenen Holzfaserplatten (Heraklit BM), 3–5 cm dick, die auch als Putzträger für den (Lehm)-Putz dienen. Die Leitungen und Steckdosen können mit einer Flex direkt aus der Platte ausgefräst werden.

K

KLH-Platte

Kreuzlagen- oder Brettsperrholz; Überbegriff für Massivholztafeln aus mehreren, über Kreuz flach aufeinander liegenden Brettlagen.

Kompakte Bauweise

Das Verhältnis von Oberfläche zu Volumen, das A/V-Verhältnis, ist entscheidend für den Energieverbrauch eines Hauses (eine Kugel ist demnach die kompakteste Form überhaupt: Sie braucht am wenigsten Hülle für ein Maximum an Inhalt). Der zweite Grund, der für eine kompakte Bauweise spricht, ist die Geschlossenheit der Hülle – alles Auskragende, Hervorstehende (Balkone, Erker, Gaupen...) verschlechtert das A/V-Verhältnis und erhöht die Wahrscheinlichkeit von Wärmebrücken.

L

Lehm

Die Erde ein Haus – buchstäblich nichts liegt näher als das. Über 50 % der Häuser im Weinviertel, um nur ein Beispiel zu nennen, sind aus Lehm gebaut. Langsam spricht es sich herum – Lehm ist keineswegs der Baustoff für die Armen und Afrikaner, sondern ein extrem umweltfreundliches und billiges Wunder an Formbarkeit und Raumklimatisierung.

M

Massivbau

Massiv im Sinne der Bautechnik ist festes Material ohne Hohlräume: Vollziegel, Beton, Massivholz. Massivbau ist das Bauen mit massiven Mauerbestandteilen, im Gegensatz zur Ständer- oder Leichtbauweise.

N

Niedrigenergiehaus

Einst als ökologische Neuerung gefeiert, stellt das Niedrigenergiehaus mittlerweile den Standard für Neubauten dar – und die Standardanforderungen steigen rasant an. Wer z. B. (Stand 1.1.2007) in Niederösterreich eine Bauförderung kassieren wollte, musste den NEH-Standard erfüllen: Energiekennzahl unter 50. Die burgenländische Neubauförderung legte den Mindeststandard per 1.1.2010 für Gebäude mit einem A/V-Verhältnis ≥ 0,8 mit 40 fest, seit 1.1.2012 gilt eine EKZ von 36.
Energieeffiziente Gebäude sind, da ressourcenschonend im Verbrauch, in dieser Hinsicht ökologisch; über die Art der verwendeten Materialien (baubiologisch, mineralisch, synthetisch...) sagen Begriffe, die sich auf den Energiebedarf eines Gebäudes beziehen, für sich genommen aber nichts aus.

P

Passive Sonnenenergienutzung

Dabei werden das Haus selbst oder Teile davon zum „Wärmesammler“, sprich Kollektor. Ein typisches Beispiel für passive Solarenergienutzung ist der Wintergarten, der, richtig angelegt, zum Wärmepuffer wird und eine Energieersparnis bis zu 15 % bringt. Weiters: Wärmeschutzverglasung, Oberflächen als Wärmespeicher, die Hauswand als Heizung (Transparente Wärmedämmung).

Passivhaus

Passivhäuser, definiert mit einer Energiekennzahl von max. 10 kWh/m²a (Stand: 2011), folgen der fortgeschrittensten, dabei aber nach technischen Gesichtspunkten überall machbaren Bauweise. Die Erzeugung eines angenehmen Raumklimas erfolgt über weite Teile des Jahres ohne separates Heizungs- bzw. Kühlungssystem, das Haus wird – ganz passiv – von selbst (von der Sonne) versorgt. Passivhäuser sind als Energiesparer ökologisch, die verwendeten Baustoffe müssen es nicht sein.

Plusenergiehaus

Darunter wird ein Gebäude verstanden, dessen jährlicher Primärenergieverbrauch vor dem Hintergrund höchster Energieeffizienz geringer als die vor Ort produzierte erneuerbare Energie ist. (Unter „vor Ort“ wird innerhalb der Grenzen der Siedlung oder des Gebäudes bzw. in unmittelbarer Nachbarschaft hierzu verstanden.)
Definition laut „Haus der Zukunft Plus“ – auf dem Weg zum Plus-Energie-Gebäude. DI (FH) Isabella Zwerger, DI Theodor Zillner.

Putzträger

Dünne Schicht auf der Dämmung, die zwecks besserer Haftung des Putzes angebracht wird; feiner Maschendraht, Glasfasergewebe, Schilfgewebe aber auch Zementvorspritzer uvm. sind möglich. Die raue Seite von Strohballen kann ohne Trägerschicht verputzt werden.

S

Schallschutz

Lärm (=störender Schall) ist zum Dauerthema geworden; drei Viertel der Bevölkerung fühlen sich vom Verkehrslärm gestört, Sport- und Freizeit sowie Industrielärm folgen. Im selben Maß ist die Bedeutung von Schallschutzmaßnahmen gestiegen. Diese richten sich nach den Erfordernissen – ein Zuviel an Schallschutz kann gleichfalls zum Störfaktor werden, durch ein entstehendes Isolationsgefühl bzw. die Überbetonung der innen erzeugten Geräusche. So wird zum Schlafen ein Schallpegel von 25–30 dB empfohlen; um dies zu erreichen, genügt bei 60 dB (Dorf) ein Fenster-Schalldämmwert von 33 dB. Liegt der Schallpegel bei 70 dB (Stadt), braucht es einen Schalldämmwert von 47 dB, um denselben Innenwert zu erreichen (10 dB weniger bedeuten ein halb so starkes Geräuschempfinden). Schall wird nach dem Medium unterschieden, über das er übertragen wird: Luftschall, Flüssigkeitsschall, Körperschall. Wichtig insofern, als je nach Schallart unterschiedliche Maßnahmen zu ergreifen sind: spezielle Fenster, Zwischendecken, Schalldämmung an den Wänden gegen Luftschall, Trittschalldämmung gegen den entsprechenden, besonderen Fall von Körperschall. Schließlich ist für das akustische Wohlbefinden in Innenräumen auch die Schallabsorption entscheidend, also das Maß, in dem Bauteile Schall aufnehmen, anstatt ihn zu reflektieren („trockene“ vs. „hallige“ Räume).

Solararchitektur

Die Kunst, sich beim Bauen nach der Sonne zu richten: Mit der gratis von außen zugeführten Sonnenenergie soll der Energiebedarf eines Gebäudes weitgehend gedeckt werden. Um dies zu erreichen, muss mit der Sonne gebaut werden (Ausrichtung). Von Vorteil ist auch eine kompakte Bauform, unerlässlich eine gute Wärmedämmung. Im weiteren Sinn wird der Begriff Solararchitektur immer mehr zum Synonym für Bauökologie – in allen Aspekten (ganzheitlich) naturgemäß zu denken und zu handeln. Dies betrifft die Wahl der Materialien (nachwachsende Rohstoffe) wie auch die individuelle Planung im Sinne der Bedürfnisse der Bewohner und die Ausführung (Details). Es bedeutet aber auch, den Menschen an erster Stelle zu berücksichtigen und nicht aus falsch verstandenem Öko-Fundamentalismus auf notwendige Kompromisse zu verzichten.

Sparren

ein Dachholz; die geneigten Hölzer an den Außenseiten des Dachstuhls, die die Dacheindeckung tragen.

Ständerbau (Holz)-:

Eine Holzskelett-Konstruktion. Als tragende Elemente dienen massive Holzbalken, die Zwischenräume werden mit Bauplatten oder Mauerwerk ausgefacht. Die Hohlräume können mit wärme- und/oder schalldämmendem Material aufgefüllt werden (Strohballen, Zellulose...). Im Unterschied zum Fachwerk wird beim Ständerbau das Holz meist beidseitig verkleidet, die Balkenabstände können größer sein. Die Ständer reichen über mehrere Stockwerke.

T

Taupunkt

Wie viel Wasserdampf die Luft aufnehmen kann, hängt von der Temperatur ab (vergleichen Sie das Lösungsverhalten von Zucker in heißem bzw. kaltem Kaffee). Man spricht deshalb von relativer Luftfeuchtigkeit. Der Taupunkt bezeichnet jenen Moment, an dem die relative Luftfeuchtigkeit 100 % erreicht (sprich sich Kondenswasser bildet): feuchte, warme Luft gelangt durch die Diffusion durch die Bauteile nach außen. Je kälter es draußen ist, desto eher wird der Taupunkt erreicht. Befindet er sich innerhalb der Mauern, kann das zu groben Frostschäden durch gefrierendes Wasser führen.

U

U-Wert

Gibt das Maß der Wärmedurchlässigkeit einer Fläche in Watt/m² an. Er ergibt sich aus dem Verhältnis Energie durch (Fläche × Temperaturdifferenz × Zeit). Je kleiner der U-Wert, desto besser isoliert ist eine Wand- oder Fensterfläche. Bei Passivhäusern werden typischerweise U-Werte bis höchstens 0,1 W/m² erzielt.

W

Wandheizung (Fußboden)-:

Die ideale Strahlungswärmequelle, die schon bei geringer Raumlufttemperatur (18 Grad) behagliche Wärme erzeugen kann – bei äußerst kurzen Aufheizzeiten. Moderne Systeme können wegen ihres geringen Energiebedarfs kostengünstig und mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Sie funktioniert ebenso gut als Kühlung wie als Heizung. Und last but not least mag es auch angenehm sein, keinen Heizkörper in die Innenarchitektur des trauten Heims einbinden zu müssen. Nägel und Dübel können übrigens unbedenklich eingesetzt werden: Die meisten Wandheizungen reichen nicht über 1,50 m, zusätzlich gibt es Geräte, die während der Aufheizzeiten die Lage der Heizröhrchen genau anzeigen.

Wärmebrücken

Bauteile, die Wärme erheblich leichter entweichen lassen als es dem durchschnittlichen Hauszustand entspricht. Das Problem mit Wärmebrücken: Sie führen nicht nur zu einem erhöhten Energieverbrauch, auch Feuchtigkeit kann zum Problem werden (Tauwasser- oder Schimmelbildung). Wärmebrücken sind alle auskragenden Bauteile wie z. B. Balkone – Balkon und Geschoßdecke müssen thermisch getrennt sein. Deckenanschlüsse müssen gut überdämmt werden, da sonst die Decke die Wärme in die Mauer leitet; ähnliches gilt für die Mauersohle, bei der ein Entweichen der Wärme nach unten gehemmt werden sollte. Ecken und Winkel sind geometrisch bedingte Wärmebrücken, denen nur durch kompakte Bauweise beizukommen ist. Natürliche Wärmebrücken sind auch die Fenster, bei denen einiges falsch gemacht werden kann – Fensterüberleger sind von außen zu dämmen, Rollladenkästen sind sogar trotz Dämmung Schwachstellen, falsch eingebaute Fensterbänke können zu Wärmebrücken werden.

Wärmespeicherfähigkeit

Oberflächen, die als Wärmespeicher fungieren (schwere, dichte Materialien wie Lehm, Ton, Stein, Putze, Fliesen) und im direkten Einstrahlungsbereich der Sonne liegen, verstärken den Zeitverschiebungseffekt (Phaseneffekt): Bei idealer Planung nehmen sie in der Zeit des Wärmeüberschusses Energie auf und geben sie zeitverzögert als Strahlungswärme wieder ab, wenn die Sonne nicht mehr scheint. Wärmespeicher zählen mithin zur passiven Solarenergienutzung.

Winddichtigkeit

Der dichteste Bauteil, der beste Wärmeschutz wird nutzlos, wenn durch fehlerhafte Ausführung die Winddichtigkeit der Gesamtkonstruktion nicht gegeben ist. Nicht nur steigt der U-Wert (heißt steigende Energiekosten, sinkende Lebensqualität durch Zug, evt. Fußkälte), die undichten Stellen lösen auch eine Kettenreaktion aus – Kondenswasser bildet sich, Schimmel, Fäulnis, Bauschäden sind die langfristige Konsequenz. Ein sicheres Instrument zur Kontrolle der Winddichtigkeit ist der Blower-Door-Test. Als Winddichtigkeitsschicht eignen sich eine spezielle, diffusionsoffene Winddichtigkeitsfolie, div. Unterdachplatten (z. B. Agepan) außen oder innen an den Stößen mit Klebeband (Airstop) verklebte OSB-Platten.

Wintergarten

Ein richtig gebauter Wintergarten ist ein Wärmepuffer (selbst wenn er nach Norden orientiert ist). Er heizt sich schnell auf und kann Wärme an angrenzende Räume abgeben. Ein Energiespareffekt – bis zu 15 % – tritt aber nur ein, wenn der Wintergarten nicht beheizt wird und Wohnbereich und Wintergarten durch ein Wärme speicherndes Element thermisch getrennt sind. Offene Türen oder ein mit dem Wohnraum ständig verbundener Wintergarten erhöhen den Energieverbrauch. Gegen sommerliche Überhitzung ist ebenfalls Vorsorge zu treffen (Querlüftung).

Aus: Herbert und Astrid Gruber, Helmuth Santler: Neues Bauen mit Stroh. Ergänzt und überarbeitet. Mit freundlicher Genehmigung des ASBN.