Geschichte Strohballenbaus International

Von Nebraska zum Global Strawbale Network

Burke-Haus

Das Burke-Haus, in der Nähe von Alliance, Nebraska ist das älteste selbsttragende Strohhaus, das heute noch steht, erbaut im Jahr 1903. Es belegt, dass Strohballenhäuser in punkto Langlebigkeit durchaus mit anderen Bauten konkurrieren können.

Martin Monhart Haus (Bayled Hay House)

Martin Monhart Haus (Bayled Hay House), 1925 in Arthur, Nebraska, in lasttragender Strohballentechnik gebaut. Der ursprüngliche Lehmverputz wurde später durch einen Kalkzementputz ersetzt.

Die Pilgrim Holiness-Church (1928, ebenfalls Arthur, Nebraska)

Die Pilgrim Holiness - Church (1928, ebenfalls Arthur, Nebraska) zählt zu den bekanntesten Beispielen für historische Strohballenbauten in den USA. Hier wurden die Strohballen hochkant lasttragend eingesetzt.


Burrit Mansion – der erste Holzständerbau

Burrit Mansion – der erste Holzständerbau, der mit ca. 2.200 Strohballen als Wärmedämmung für Wand, Decke und Dach gefüllt wurde. Dieses zweigeschoßige Gebäude aus dem Jahr 1938 in Huntsville, Alabama, ist heute als Museum der Öffentlichkeit zugänglich.

1949 baute Chuck Bruner in Glendo (Wyoming)

1949 baute Chuck Bruner in Glendo (Wyoming) dieses Strohballenhaus in lasttragender Bauweise.


Im Jahr 1992 wird die erste offizielle Bauerlaubnis für ein bankfinanziertes und von einer Baufirma errichtetes Strohballenhaus in Holzständer-Bauweise im Pueblo-Stil in Santa Fe, New Mexiko, erteilt

Im Jahr 1992 wird die erste offizielle Bauerlaubnis für ein bankfinanziertes und von einer Baufirma errichtetes Strohballenhaus in Holzständer-Bauweise im Pueblo-Stil in Santa Fe, New Mexiko, erteilt.

Um 1870 begann die neuzeitliche Strohbau-Geschichte mit der Entwicklung der Strohballenpressen in den USA.

In Gegenden, in denen viel Getreide angebaut und geerntet wurde, brauchte es wenig Fantasie, um sich Strohballen als überdimensionale Ziegel vorzustellen. So wurde das erste „moderne“ Strohhaus folgerichtig auch in Nebraska errichtet, einem Gebiet mit riesigen Getreidefeldern. Der schnellste Weg, ein Dach über dem Kopf zu bekommen, bestand darin, Häuser aus Strohballen zu bauen.

Viele dieser Bauten waren als temporäre Bleiben gedacht, erwiesen sich aber als vollwertige, über Jahrzehnte beständige Unterkünfte, die trotz der extremen Temperaturverhältnisse in Nebraska sommers und winters ein angenehmes Wohnen ermöglichten.

Die bis heute weltweit dominierende lasttragende Bauweise („loadbearing“) war über lange Zeit die einzige und wird wegen ihrer Ursprünge auch als Nebraska-Stil bezeichnet.

Vor allem in den holzarmen Gegenden im Süden der USA wurden etliche Gebäude auf diese Weise errichtet.

Erst 1936 entstand ein zweigeschoßiges Strohhaus mit einem Holzständertragsystem, ausgefacht mit 2.200 Weizen-Strohballen als Wandbaustoff und Dämmmaterial.

Zwischen den 50er und den frühen 80er-Jahren wurde Stroh als Baumaterial zunehmend durch die aufkommenden standardisierten Massen-Baustoffe ersetzt.

Im Jahr 1974 sorgte der Artikel „Baled Hay“ (gepresstes Heu) von Roger Welsch für ein erneutes Interesse am Strohballenbau. Gegen Ende der 70er-Jahre wurde der Baustoff Stroh vor allem von der US-Alternativszene wiederentdeckt. Schließlich löste  der kalifornische Architekt Jon Hammond im Dezember 1984 mit der Beschreibung eines Strohhauses in Holzständerbauweise im Magazin „Fine Homebuilding“ einen regelrechten Boom aus; in kurzer Zeit entstanden in den USA, aber auch in Kanada, zahlreiche Strohballenbauten.

1991 wurde die Sache offiziell: In New Mexiko errichtete man das erste behördlich genehmigte, versicherte und bankfinanzierte Strohballenhaus in Holzständerbauweise. Im Jahr 1993 erhielten die beiden weltweit wohl engagiertesten Strohballenbauer, Judy Knox und Matts Myhrman (Out on Bale), die erste offizielle Bauerlaubnis für ein lasttragendes Strohhaus in Tucson in Arizona.

1994 wurde die „Bibel“ aller Strohbau-Interessierten veröffentlicht: The Straw Bale House. Damit lag erstmals eine umfassende, verständliche und fundierte Darlegung der Prinzipien des Strohballenbaus vor.

Zunehmend begannen nun auch Universitäten und öffentliche Stellen, sich mit Strohbauweisen auseinanderzusetzen und die Bauten bauphysikalisch zu untersuchen; das Strohbaufieber weitete sich auf den ganzen Planeten aus. Das sich zeitgleich anbahnende Internet-Zeitalter trug das Seine dazu bei:

In Österreich entstand auf Initiative von Herbert Gruber das ASBN (Austrian Straw Bale Network) als Teil des ESBN (European Straw Bale Network), welches wiederum zum Global Straw Bale Network gehört.

Gekürzter und überarbeiteter Auszug aus dem Buch „Neues Bauen mit Stroh“ von Herbert und Astrid Gruber und Helmuth Santler. Mit freundlicher Genehmigung des ASBN.