Technik

Strohballen auf Strohballen

Seit den Anfängen des modernen Strohballenbaus, als man einfach ohne weiteren Umständen Ballen auf Ballen schlichtete, wurden verschiedene Strohbautechniken entwickelt und immer weiter perfektioniert. Dabei entstanden zwei Haupttypen: die lasttragende Bauweise und die Infill-Systeme. Bei letzterem übernimmt eine statische Konstruktion (z. B. ein Holzskelett) die Tragfunktion, die Strohballen werden eingefüllt und haben nur noch die Aufgabe zu dämmen.

Mit der lasttragenden Bauweise fing indes alles an. Wie der Name schon sagt, dienen die Strohballen bei ihr als tragende Elemente; natürlich dämmen sie auch gleichzeitig. Diese Bauweise erwies sich in vielerlei Hinsicht überlegen – sie ist flexibler, was die Gestaltung organischer Formen (Rundungen, Bögen, Gewölbe) betrifft, geht ausgesprochen rasch von der Hand und ist deutlich weniger aufwendig und damit günstiger.

Allerdings: Die Verwendung von Kleinballen limitierte die Baumeister auf eingeschossige Gebäude. Und als der Strohballenbau auf der zweiten US-Welle auch Europa erreichte, waren die Baubehörden weit eher geneigt, Holzständerkonstruktionen zu bewilligen als der lasttragenden Technik zu vertrauen.

Strohbau-Enthusiasten und -Experten wie der deutsche Architekt Gernot Minke waren allerdings stets davon überzeugt, dass der wahre Strohballenbau lasttragend zu sein hat. Es blieb dem Schweizer Architekten Werner Schmidt überlassen, die Königsidee dafür zu entwickeln: Er griff zu den Jumbo-Strohballen, 250 kg schweren und bis zu einem Meter breiten Strohziegeln und verband damit das Beste beider Welten. Großballen sind den Kleinballen statisch und in puncto Belastbarkeit so deutlich überlegen, dass mindestens dreigeschossige Bauten lasttragend möglich wurden. Das überzeugte auch die Baubehörden. Und die sensationellen Dämmwerte der Großballenbauten ließen schließlich die letzten Zweifler verstummen.